Der minderjährige Erbe

Das Sorgerecht umfasst die Personensorge und die Vermögenssorge für das minderjährige Kind.

Stirbt ein Elternteil, dann erhält in der Regel der andere Elternteil das alleinige Sorgerecht.

Dies wirft dann besondere Probleme auf, wenn die Eltern geschieden waren oder unverheiratet getrennt lebten.

Denn für diesen Fall will der Erblasser, dass der andere Elternteil von der Vermögenssorge für das von ihm an sein Kind vererbte Vermögen ausgeschlossen wird.

Das ist durch Bestimmungen in einer letztwilligen Verfügung möglich, auch für Pflichtteilsansprüche!

Dabei stehen sich zwei Rechtsinstitute gegenüber: die Ergänzungspflegschaft und die Testamentsvollstreckung.

Wird der andere Elternteil von der Vermögensverwaltung ausgeschlossen, dann ist für das vererbte Vermögen zwingend ein Ergänzungspfleger zu bestellen.

Haben Sie dem anderen Elternteil die Vermögensverwaltung entzogen und Testamentsvollstreckung angeordnet, ist auch in diesem Fall zusätzlich ein Pfleger erforderlich, weil nur dieser als Vertreter des Kindes den Testamentsvollstrecker überwachen und kontrollieren kann.

Hier ein Vergleich der beiden Rechtsinstitute:

  1. Im Gegensatz zu einem Testamentsvollstrecker wird der Pfleger durch ein Gericht überwacht; er hat das Gericht regelmäßig zu informieren. Der Pfleger überwacht den Testamentsvollstrecker; dies übernimmt nach Volljährigkeit das Kind selbst.

  2. Zu bestimmten Rechtsgeschäften benötigt der Pfleger (wie Eltern auch), jedoch anders als der Testamentsvollstrecker, eine familiengerichtliche Genehmigung.

  3. Die Pflegschaft endet mit der Volljährigkeit; eine Dauervollstreckung kann darüber hinaus andauern, bespielsweise, was oft gewünscht wird, bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres des jüngsten Kindes.

  4. Die Art und Weise sowie der Umfang, wie das minderjährige Kind am Nachlass partizipieren soll, lassen sich durch Handlungsanweisungen an den Testamentsvollstrecker freier definieren (z.B. Freigabe von Mitteln für eine Berufsausbildung).

  5. Dem Testamentsvollstrecker können mehr Freiheiten bei der Vermögensanlage eingeräumt werden als einem Pfleger.

  6. Die Vergütung des Pflegers wird durch das Familiengericht festgesetzt; bei einem Testamentsvollstrecker kann der Erblasser dessen Vergütung im Testament bestimmen.


Fazit:

Aufgrund des größeren Handlungsspielraums empfiehlt sich in jedem Fall, bei größeren Vermögen zusätzlich zum Ergänzungspfleger einen Testamentsvollstrecker zu bestimmen und diesen über die Volljährigkeit des Kindes hinaus bis zu einem späteren, selbst gewählten Datums, mit Handlungsbefugnissen auszustatten, die dem Schutz des ererbten Vermögens dienen, bei gleichzeitiger optimaler Versorgung des Kindes mit finanziellen Mitteln, etwa für seine Berufsausbildung.